Thorsten Rund

Thorsten Rund leitet als Senior Director Key Account & Retail Universal Music in Berlin die verkaufenden Teams B2B in Deutschland, Österreich und der Schweiz, begleitet u.a. eng die Aktivitäten rund um den deutschen Record Store Day und ist langjähriger Dozent an der Popakademie in Mannheim.

Interview

  • Warum braucht es in 2025 und darüber hinaus Plattenläden?

    Es braucht einen authentischen Ort an dem Artists sichtbar werden, entweder mit ihrem Produkt im Regal und auf dem Neuheitentisch oder aber tatsächlich und live, egal ob eine lokale Band dort ihr Album verkauft oder Künstler*innen zum Instore-Gig einladen. Wir Vertriebe brauchen Plattenläden als verlässliche Partner*innen, egal ob im Tagesgeschäft, beim Austausch über aktuelle Entwicklungen oder bei der gemeinsamen Umsetzung des Record Store Days. Und es braucht natürlich einen Ort, an dem man sich über eine neue Platte die Köpfe heiß redet oder eine Empfehlung bekommt, die man überhaupt nicht auf dem Schirm hatte.

  • Was hast du aus der Juryarbeit und dem Austausch mit den Händler*innen an Erkenntnissen mitgenommen?

    Wie viel Zeit man braucht, um da richtig tief einzusteigen und den Bewerbungen auch wirklich gerecht zu werden. Wie wichtig die verschiedenen Perspektiven und Blickwinkel sind. Und dass man für seine Favorit*innen hart kämpfen muss 😉

  • Was kann der EMIL_ deiner Meinung nach bewirken?

    Die Landschaft der Plattenläden ist enorm breit gefächert, der EMIL hilft dabei, das sichtbar zu machen, gerade auch jetzt mit Blick auf den geänderten Neuheiten-Anteil für die Bewerberinnen und Bewerber. Er bedeutet eine substanzielle strukturelle Unterstützung für Händler*innen in Zeiten des deutlichen Rückgangs von tatsächlichen Verkaufsflächen im sonstigen Handel und stabilisiert nicht nur einen zunehmend wichtigen Verkaufskanal, sondern auch einen sozial und kulturell wirklich wichtigen Raum.

  • Welche Bedeutung haben Vinyl und Plattenläden in deinem Leben?

    Früher stand ein Plattenladen für die bange Frage, ob ich mit meiner Platte kommentarlos durch die Geschmackskontrolle an der Kasse komme. Dann und damit auch sehr wichtiger Ort für die eigene musikalische Sozialisation und dabei Vinyl als einziges Format, mit dem sich langfristig Erinnerungen verknüpfen lassen. Früher auch ein Arbeitsplatz, jetzt ein Partner im Berufsalltag. Und irgendwie auch immer ein Sehnsuchtsort. Sorry für das Pathos.

  • Welche zusätzlichen Features (neben Schallplatten) sollte deiner Meinung nach jeder gute Plattenladen besitzen?

    Mitarbeitende mit gänzlich analogen Empfehlungsfähigkeiten ohne jeden Algorithmus und gerne eine gute Kaffeemaschine.

  • Worauf freust du dich am meisten bei der Jury-Arbeit zum EMIL_?

    Läden entdecken, die ich nicht auf dem Schirm hatte. Leute treffen und Diskussionen führen. Gerne auch über Musik sprechen. Und letztlich damit den Beitrag von Plattenläden zum Kulturleben würdigen zu können.

  • Was war der letzte Vinyl-Schatz, den du im Plattenladen gefunden hast?

    Das waren tatsächlich drei auf einmal: 1 × das neue Album der Decemberists  „As It Ever Was, So It Will Be Again“,  „Last Splash“ von den Breeders als Anniversary-Reissue und Marika Hackmanns letzte Platte „Big Sigh“.