Joachim Mischke

 

Der »Preis der deutschen Schallplattenkritik« e.V. ist ein unabhängiger Zusammenschluss von 160 Musikkritiker*innen und Journalist*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seit Herbst 2014 ist Joachim Mischke Juror in der Jury »Filmmusik« beim PdSK. Mischke, 1964 in Flensburg geboren, hat in Münster Musikwissenschaft, Publizistik und Anglistik studiert, Examensthema: Leben und Werk des US-Komponisten Aaron Copland. Freie Mitarbeit u. a. bei Stern, Süddeutsche Zeitung, Jazzthetik und WDR. Seit 1993 Kulturredakteur beim Hamburger Abendblatt. Seit 2009 Chefreporter im Ressort Kultur & Medien. puk-Journalistenpreis des Deutschen Kulturrats 2007.

Interview

  • Wenn der Preis der Deutschen Schallplattenkritik ein Plattenladen wäre, wie sähe er aus?

    Unser Laden wäre nicht riesig, aber er wäre groß, weil es doch schon eine Menge Schönes gibt. Und wir hätten eine extra Ecke für die ganz tollen Sachen.

  • Wer würde dort hinter der Theke stehen?

    Hinter der Theke würde immer im Wechsel jemand von uns stehen – eine*r von den verschiedenen Expert*innen für dies, das und jenes Genre –, damit auch jede*r dann mal die Chance bekommt, kompetent beraten zu werden.

  • Wie verändert sich der Blick auf Musik, wenn man sie im Laden entdeckt?

    Ein guter Plattenladen ist wie ein guter Klamottenladen: Man weiß erst dann, was man möchte, wenn man es sieht, und man wusste vielleicht vorher noch gar nicht, dass man das haben möchte. Von daher: Wundertüte.

  • Und wie, wenn man sie auf einer Bestenliste liest?

    Es gibt Bestenlisten, da geht es ums Verkaufen, und es gibt Bestenlisten – nämlich unsere –, da geht es um Kompetenz und Erfahrung. Von daher würde ich dann immer im Zweifelsfall zu den Bestenlisten des PdSK greifen.

  • Warum braucht es Musikkritiker*innen wie den PdSK – und warum auch Plattenhändler*innen?

    Es geht um Orientierung, und da sind wir vom PdSK und alle, die Platten verkaufen, sich ziemlich nah, weil nicht jeder alles hören kann und auch nicht jeder alles hören muss. Deswegen sortieren wir vor und trennen die Spreu vom Weizen. Was übrig bleibt, ist dann hörenswert.

  • Welche Bedeutung haben Bestenlisten in Zeiten von Streaming-Plattformen und Algorithmen?

    Streamingdienste und -plattformen bedienen oft nur das, was ohnehin schon funktioniert. Das muss nichts Schlechtes sein, aber es ist im Zweifelsfall etwas anderes als das, was Menschen empfehlen können und wollen, wenn es ihr Herz bewegt. Also von daher: Erfahrung.

  • Welche Musikschätze findet man beim PdSK, die man sonst vielleicht übersehen würde?

    Wir hören uns viermal im Jahr durch alles Mögliche durch – und auch durch vieles, was eigentlich eher unmöglich ist. Von daher haben wir am Ende die Schätze, und dann wissen wir, dass das, was wir empfehlen, auch wirklich empfehlenswert ist und nicht nur populär.