
Jan Fabritius
Ich habe ein paar Jahre in dem Mastering-Studio Calyx Mastering gearbeitet. In meiner Zeit, in der ich dort wirkte, habe ich die ein oder andere Schallplatte auf Vinyl geschnitten. Ich arbeite mittlerweile für das Plattenlabel City Slang. Ich habe auch mein eigenes kleines Plattenlabel, wo ich meine eigene Musik veröffentliche. Und ich arbeite nebenher als Musikproduzent, also mache meine eigene Musik, biete aber auch meine Dienste fürs Mischen und Mastern an.
Foto: Andrea Basileo
Interview
Was verbindet dich mit Vinyl und seit wann ist das so?
Ich bin kein Sammler, aber ich würde sagen, dass ich mich mit Vinyl weit überdurchschnittlich auseinandergesetzt hab, schon allein aufgrund meiner professionellen Vergangenheit. Ich finde, Vinyl ist ein ganz besonderes Medium.
Was macht den Reiz von Vinyl für dich aus?
Ich glaube, es ist tatsächlich dieses Runde, dieses Weiche, dieses Organische. Das, was sich so menschlich anfühlt, weil am Ende des Tages ist es ja eine Imperfektion. Rauschen ist ja eigentlich – war ja nie beabsichtigt. Man hat es ja weitestgehend versucht, auch auf ein Minimum zu reduzieren, aber gleichzeitig ist diese Limitierung, dieses limitierte Stereo-Spektrum im Bassbereich einhergehend mit diesen Artefakten wie Rauschen und Knistern – das übt natürlich auch so eine gewisse Attraktivität aus auf den Hörer.
Werden die Eigenheiten von Vinyl auch künftig für dessen Beliebtheit sorgen?
Ja, ich glaube schon. Ich glaube, als Mainstream-Produkt kann ich keine Vorhersagen treffen, inwiefern es sich durchsetzen wird gegenüber der Digitalisierung, denn wir wissen alle, alles wird teurer. Ich glaube aber, aussterben wird es auch nicht, zumal es einfach so ein Liebhaberprodukt ist. Es ist ein Sammelprodukt, es ist auch gleichzeitig – wenn du mich persönlich fragst – ein Glanzstück menschlicher Wissenschaft und Musiktechnologie. Es steckt da so viel drin, nicht nur von der technischen Seite, sondern auch von der künstlerischen Seite. Denn Vinyl oder die Schallplatte, das Format der Schallplatte, bietet ja auch eine Projektionsfläche. Es bietet einfach einen weiteren Raum, um sehr kreativ nicht nur mit dem Format umzugehen, sondern ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Das unterscheidet sich nochmal grundlegend von Pixeln, die man einfach mal schnell wegwischt, und bietet natürlich gleichzeitig Identifikationsobjekt-Status.
Was ist entscheidend, damit eine Platte wirklich gut klingt?
Damit eine Platte gut klingt, sollte man schon sehr früh ansetzen. Ich finde, man tut sich einen großen Gefallen, wenn man vorhat, Vinyl zu veröffentlichen, dass man zu einem Mastering-Studio seines Vertrauens geht, das auch Vinylschnitt anbietet. Weil dadurch kann man schon mal feststellen, dass zumindest schon mal Mastering und Vinylschnitt aus einer Hand kommen. Nicht, dass ich jetzt sagen würde, dass es ein No-Go ist, an einer Stelle zu mastern und woanders schneiden zu lassen, ganz und gar nicht, aber da gilt es dann halt auch nochmal gewisse Dinge zu beachten. Also jetzt einfach ein digitales Master zum Vinylschnitt rauszuschicken, ist nicht sinnvoll. Es bedarf da schon immer einer Vinyl-Anpassung des digitalen Masters, und das kann am allerbesten ein Mastering-Studio.
Welche Rolle spielen physische Orte und Tonträger für die Musik?
Schallplatten sind heute einfach auch ein Luxusprodukt. Es liegt an uns allen zu schauen, dass Musik, vor allen Dingen auch unabhängige Musik, unabhängige Talente, unterstützt werden. Und ich finde, eine Schallplatte kann da eigentlich schon helfen, sich da nochmal irgendwie so von anderen Veröffentlichungen abzusetzen und zu unterscheiden, was den Hörern auch dabei hilft, sich nochmal auf tiefgehende Art und Weise mit einer Veröffentlichung zu identifizieren.